Rüdesheimer Platz Berlin

Volkstrauertag

In Deutschland wird am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent bundesweit der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in schlichten Zeremoniellen gedacht. Offizieller Veranstalter ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. Bei der Ausrichtung der Feierstunden und Kranzniederlegungen wird er durch Bund und Länder unterstützt.

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch in diesem Jahr im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Die Gedenkstunde, die traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht, beginnt um 16 Uhr und wird vom ZDF direkt übertragen.
Die Gedenkrede wird in diesem Jahr der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Guido Westerwelle halten.
Die Feierstunden bestanden zumeist aus einer Lesung, einer Ansprache, einer Totenehrung, einem Empfang und einer Kranzniederlegung. Beteiligt waren neben leitenden Vertretern des Volksbundes Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kirchenleben.

Totengedenken durch den Bundespräsidenten Horst Köhler bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. im Plenarsaal des Deutschen Bundestages aus Anlass des Volkstrauertages am 15. November 2009

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten,
die in den Weltkriegen starben,
der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer,
die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.
Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

Nehmen Sie den Tag, um in stillem Gedenken dem Frieden Raum zu schaffen, den man in allen Lebenslagen und Perspektiven benötigt – im Kleinen wie im Großen. Gott segne Sie.

Seit 1993 findet die zentrale Kranzniederlegung in der umgestalteten Neuen Wache in Berlin, Unter den Linden, statt. Daran nehmen Vertreter der fünf Verfassungsorgane teil. Die Protokollführung hat dabei das Bundesministerium des Inneren (Handhabung wie ein Staatsprotokoll).

Die Landesverbände des Volksbundes richten zentrale Gedenkfeiern in den Landeshauptstädten aus. Die Ortsverbände sorgen für Gedenkveranstaltungen vor den Gefallenenehrenmälern im Anschluss an die Gottesdienste. Dies geschieht auch in den neuen Bundesländern, in denen der Volksbund seit 1991 Landes-, Kreis- und Ortsverbände gegründet hat. Den Ablauf der aktuellen Feierstunde entnehmen Sie bitte der Website des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.


Halbmast zum Volkstrauertag

In den alten Bundesländern ist der Volkstrauertag nach wie vor durch das Verbot öffentlicher Lustbarkeiten geschützt. Einige Länder hielten an der Befristung des Verbots fest. Insbesondere Hamburg bewahrte in einer Rechtsverordnung die auffallend kurze Verbotsfrist zwischen 6.00 und 15.00 Uhr. Die Bundesländer Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen gingen über das reine Verbot öffentlicher Lustbarkeiten hinaus, indem sie den Volkstrauertag zum gesetzlichen Trauertag erhoben.
Die fünf neuen Bundesländer haben sich zwischen 1991 und 1994 ebenfalls Feiertagsgesetze gegeben, die das Verbot öffentlicher Lustbarkeiten am Volkstrauertag vorsehen. Die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben den Volkstrauertag zum gesetzlichen Trauertag erhoben.

Die Halbmastbeflaggung zum Volkstrauertag ist in verschiedenen Erlassen und Rechtsverordnungen seitens des Bundes und der Länder geregelt. Nach wie vor besteht keine Beflaggungpflicht für Privatpersonen. Die Erlasse und Rechtsverordnungen beziehen sich auf staatliche Dienstgebäude und -fahrzeuge. Seitens des Bundes sieht zunächst ein Erlaß des Auswärtigen Amtes vor, die Dienstgebäude des Bundes im Ausland am Volkstrauertag halbmast zu beflaggen. Die Bundesregierung hat beschlossen, auch die Dienstgebäude des Bundes in der Bundesrepublik am Volkstrauertag halbmast zu beflaggen. Für den Bundestag und den Bundesrat ist dies in besonderen Dienstvorschriften geregelt.

Weil die Toten schweigen, beginnt alles wieder von vorn“ schrieb der 1973 verstorbene französische Philosoph Gabriel Marcel. Seine dunkle Prophezeihung kann aber wohl nur dann Realität werden, wenn die Lebenden die Toten und ihre Geschichte vergessen. Lassen Sie uns den Tag – der aktueller denn je ist – nutzen, um gemeinsam ein Zeichen der Mahnung, Versöhnung und Verständigung sowie des Friedens zu setzen.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Du hast noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: